Der Ratgeber · Beweglichkeit, Fortschritte messen

Kniebeweglichkeit zu Hause mit dem Handy messen

Nach der Kreuzband-OP: was Beugung und Streckung bedeuten, warum das Handy zwischen den Physio-Terminen genügt und wie du verlässlich misst.

Mit KI nach dem englischen Original verfasst und in einer KI-Prüfung Punkt für Punkt damit abgeglichen.

Eine Person liegt auf einer Matte, ein Knie gebeugt, und hält ein Smartphone flach auf die Vorderseite des nackten Schienbeins.
Die Beugung zeigt, wie weit sich das Knie beugen lässt. Das Handy misst sie flach auf dem freien Schienbein liegend, längs am Knochen.

Wer eine Physiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten fragt, wie es jemandem in den ersten Monaten nach einer Operation am vorderen Kreuzband (VKB) geht, hört als Erstes vom Bewegungsumfang: wie weit sich das Knie strecken und wie weit es sich beugen lässt, gemessen in Grad. Zwischen den Terminen wissen die meisten nicht, wo ihr eigener Wert gerade steht. Hier erfährst du, was hinter den beiden Messungen steckt, warum dein Handy sie übernehmen kann und wie du so einheitlich misst, dass sich ein Trend zeigt.

Was du zu Hause misst, dient dazu, den Verlauf zu verfolgen, nicht zur Diagnose. Entschieden wird nach dem Wert, den deine Physiotherapie in der Praxis misst.

Was Streckung und Beugung bedeuten

Die Streckung (Extension) beschreibt, wie gerade das Knie wird. Ein ganz gestrecktes Bein steht bei null Grad. Bleibt dein Knie leicht gebeugt und lässt sich das letzte Stück nicht durchstrecken, hast du ein Streckdefizit. Angegeben wird es meist als die Gradzahl, die bis zur Geraden fehlt, zum Beispiel „es fehlen 5 Grad“. In veröffentlichten Reha-Leitlinien für die Zeit nach einer Kreuzbandplastik steht kaum ein Ziel so durchgängig weit oben wie dieses: die volle Streckung früh zurückzugewinnen. Der Grund: Ein Knie, das sich nicht strecken lässt, verändert, wie du gehst, und belastet den vorderen Teil des Gelenks.

Die Beugung (Flexion) beschreibt, wie weit sich das Knie beugen lässt, gemessen als Winkel zwischen Oberschenkel und Schienbein. Ein gesundes Knie beugt sich typischerweise irgendwo um 135 bis 150 Grad. Das reicht, um sich auf die Fersen zu setzen. Nach der Operation kommt die Beugung nach und nach zurück. Etwa 90 Grad in den ersten zwei Wochen sind ein häufiges frühes Ziel, der Rest folgt in den Monaten danach.

Beide Werte zählen. Die Streckung gilt es früh zu schützen. An der Beugung siehst du, dass sich das Gelenk beruhigt und die Schwellung zurückgeht. Für die Streckung gibt es eine eigene Methode, denn gerade die letzten paar Grad sind schwer abzulesen: Kniestreckung zu Hause messen.

Warum das Handy dafür genügt

In Praxis und Klinik wird der Bewegungsumfang mit einem Goniometer gemessen, einem Winkelmesser mit Gelenk, dessen Schenkel man an Oberschenkel und Schienbein anlegt. In geübten Händen ist das einfach und zuverlässig. Nur hast du so ein Gerät zu Hause nicht.

Dein Handy dagegen hat Sensoren, die erkennen, wie es gerade geneigt ist. Liegt es längs auf einem Arm oder Bein, kann es den Winkel dieses Körperteils zur Schwerkraft angeben, und genau das macht auch ein Goniometer. Forschende haben beides miteinander verglichen. Ockendon und Gilbert haben ein Handy-Goniometer für das Knie mit einem herkömmlichen Goniometer mit langen Schenkeln abgeglichen und so validiert. Das Handy maß selbst geringe Beugungen des Knies zuverlässig, und im Mittel wichen die beiden Geräte weniger als ein halbes Grad voneinander ab. Milanese und Kollegen stellten fest, dass eine Handy-App und ein herkömmliches Universalgoniometer die Knieflexion bei wiederholten Messungen beide sehr zuverlässig erfassen, bei erfahrenen Fachleuten ebenso wie bei Studierenden.

In diesen Studien hielt allerdings jemand anderes das Handy. Wer das eigene Knie misst, bekommt etwas stärker schwankende Werte. Für diesen Zweck ist das in Ordnung: Von den Messungen zu Hause willst du einen Verlauf über Wochen sehen, und den bekommst du, wenn du immer auf dieselbe Weise misst.

So bekommst du verlässliche Werte

ACL Recovery Tracker ist unsere kostenlose App für die Kreuzband-Reha, für iOS und Android. Bei der Handy-Messung („Gyro °“) unter „Mobilität messen“ zeigt dir eine Anleitung auf dem Bildschirm, wie du das Handy anlegst. Halte dich an diese Anleitung. Mit den folgenden Gewohnheiten lassen sich die Werte von einem Tag zum nächsten vergleichen:

  1. Immer dieselbe Position. Leg dich auf dieselbe feste Unterlage auf den Rücken oder setz dich auf denselben Stuhl, und notiere, wofür du dich entschieden hast. Eine im Liegen gemessene Beugung ist nicht dasselbe wie eine im Sitzen gemessene.
  2. Immer dieselbe Tageszeit. Gleich nach dem Aufstehen ist das Knie steifer, nach Bewegung lockerer. Miss immer zum selben Zeitpunkt, zum Beispiel nach deinen Übungen am Morgen.
  3. Schienbein frei, Handy flach darauf. Kleidung und eine gewölbte Handyhülle kippen beide das Handy und verfälschen so den Messwert. Richte das Handy am Schienbeinknochen aus, nicht am Wadenmuskel.
  4. Bis an die angenehme Grenze, nicht bis an die schmerzhafte. Geh langsam in die Beugung oder Streckung und hör dort auf, wo du eine deutliche Dehnung spürst. Wer mit Druck nachhilft, bekommt eine größere Zahl und ein gereizteres Knie.
  5. Zweimal messen. Liegen die beiden Werte mehr als ein paar Grad auseinander, miss ein drittes Mal und trag den mittleren Wert ein.
  6. Beide Beine messen. Dein gesundes Knie ist dein persönliches Ziel. Über den „Referenzwert gesundes Bein“ vergleicht die App beide Seiten, und genau das lohnt sich zu beobachten: wie der Unterschied zwischen ihnen kleiner wird.
Eine Person sitzt auf einer Matte und misst mit dem Handy am Schienbein ihr gesundes, ganz gebeugtes Bein. Das operierte Bein liegt gestreckt daneben.
Dein gesundes Knie ist dein persönliches Ziel: Miss beide Beine und beobachte, wie der Unterschied kleiner wird.

Hast du schon einen Wert aus der Physiotherapie, trag stattdessen diesen von Hand ein („Manuell °“). Dem Diagramm ist es egal, woher der Wert stammt.

Wie sich die Werte entwickeln sollten

Anfangs sollte die Streckung von Woche zu Woche besser werden, bis sie so weit ist wie am anderen Bein oder nur noch ein, zwei Grad fehlen. Die Beugung steigt langsamer und oft in Stufen: Auf eine gute Woche folgt eine, in der sich nichts tut. Das ist normal. Eine Schwellung, eine anstrengende Einheit oder eine schlechte Nacht können an einem einzelnen Tag jeweils ein paar Grad kosten. Deshalb sagt ein einzelner Messwert wenig, die Werte eines ganzen Monats dagegen viel.

Bei zwei Entwicklungen lohnt es sich, deine Physiotherapie darauf anzusprechen, statt bis zum nächsten Termin zu warten: wenn die Streckung schlechter statt besser wird und wenn sich die Beugung trotz der Übungen seit ein paar Wochen nicht verändert hat. Ein Notfall ist beides nicht, aber beides lässt sich leichter angehen, je früher es auffällt.

Warum sich das Eintragen lohnt

Auf mehreren Levels des Programms ist der Bewegungsumfang ein Kriterium für den Aufstieg, und in der Physiotherapie wird man ihn bei jedem Termin wissen wollen. Ein Protokoll mit Datum und beiden Beinen macht aus „Ich glaube, es ist ein bisschen besser“ ein Diagramm, und es kostet dich etwa eine Minute am Tag. Genau dafür kannst du das Mobilitätsprotokoll nutzen, ganz gleich, ob das Handy gemessen hat oder deine Physiotherapie. Messen, eintragen, weitermachen. Worauf man bei einer App dafür achten sollte, falls du eine auswählst, steht im Artikel Eine App für die Kreuzband-Reha finden.

Die Illustrationen in diesem Artikel wurden mit KI erstellt.

Quellen

  1. Milanese S, et al. Reliability and concurrent validity of knee angle measurement: smart phone app versus universal goniometer used by experienced and novice clinicians. Man Ther. 2014;19(6):569-574.
  2. Ockendon M, Gilbert RE. Validation of a novel smartphone accelerometer-based knee goniometer. J Knee Surg. 2012;25(4):341-345.
  3. van Melick N, et al. Evidence-based clinical practice update: practice guidelines for anterior cruciate ligament rehabilitation based on a systematic review and multidisciplinary consensus. Br J Sports Med. 2016;50:1506-1515.